Katastrophenfall – Was trägt?

Nach der großen Flut hat es nun, wenn auch in weniger starkem Ausmaß, unseren Landkreis getroffen. Die A94 und Oberdorfen sind dafür ein Beispiel. Es wurde der Katastrophenfall ausgerufen. Wie gehen wir mit dem Leid und den Fragen um, die hier auftauchen und bisweilen auch gestellt werden?

Sicher, in einem säkularisierten Land wie dem unsrigen taucht die Frage nach Gott gar nicht mehr so offen und offensiv auf, oder wird gar medial ausgeschlachtet. Aber trotzdem ist sie da und fordert uns heraus. Wo war Gott? Wo ist Gott? Wie kann das ein liebender Gott zulassen? Sicher gibt es viele gute Bücher zu dem Thema. Und so mancher kennt eine ganze Reihe von Bibelstellen, die hier möglicherweise zitiert werden könnten. Aber passt das? Ist es das, was ich, was wir, bzw. die betroffenen Menschen wirklich wollen oder brauchen? Ich bin mir also nicht sicher, ob das im konkreten Fall den Betroffenen wirklich hilft. Ich bin auch nicht sicher, ob mir das in meinen Fragen helfen würde, mich in meinen Zweifeln tatsächlich auffangen könnte. Und trotzdem: Das Nachdenken darüber bleibt, kann ich nicht abstellen. Beim Nachdenken merke ich, dass es nicht kluge Bücher sind, die mich tragen, oder gut gemeinte Bibelzitate.

Was (mich) trägt, ist das Vertrauen an und in Gott. Was trägt, ist die Entscheidung, sich ganz an IHN zu binden. Was trägt, ist die Erfahrung und das Wissen: Er ist da! Dort wo wir Gott nicht mehr verstehen, zeigt sich sehr schnell, ob das Bekenntnis zu ihm aus einer tragfähigen Beziehung kommt oder einem für wahr halten von Glaubenssätzen.

Dort, wo ich meinen Herrn nicht mehr verstehe, stellt er mich in die gleiche Frage wie damals Jesus seine Jünger: „Wollt ihr auch gehen?“ Und Petrus antwortet damals mit diesen berühmten Worten: „Zu wem sollen wir gehen? DU hast Worte des ewigen Lebens; und wir haben geglaubt und erkannt, dass du der Heilige Gottes bist.“ Zu wem sollen wir gehen, wenn uns so plötzlich, so unvermittelt und das so nah vor Augen geführt wird, was Paulus mit dem „Sehnen der Schöpfung nach Erlösung“ beschreibt. Nicht nur der Mensch braucht Rettung und Erlösung. Nein, die ganze Schöpfung! Die ganze Schöpfung ist krank, dem Tod geweiht und sehnt sich nach Erlösung. Vieles ist noch wunderbar und grandios, wenn die Krankheit, das Siechtum nicht so offensichtlich zu Tage tritt.

Wenn ich z.B. bei einer Bergtour schließlich auf dem Gipfel ankomme und sich dann das ganze Bergpanorama im Umkreis von mehr als 100 km auftut, dann ist das einfach atemberaubend. Es macht vergessen, dass da etwas Sterbendes vor einem liegt! Man ist überhaupt nicht bereit, sich einzugestehen, dass all das keinen Bestand haben wird. All das wird vergehen. Das einzige, was nicht vergehen wird, ist aber die Zusage dessen, der gesagt hat: „Ich bin bei euch (dir) alle Tage, bis ans Ende der Welt.“

Das sind solche Worte des Lebens, an denen ich mich festhalte und an dem, der sie gesagt hat. Ansonsten habe ich nichts. Aber das macht nichts, denn das ist genug, weil ER genug ist. Lieber halte ich an einem Gott fest, den ich öfter nicht verstehe, als ohne IHN keinen Deut schlauer, aber einsam und alleine in den Trümmern dieser vergehenden Welt zu stehen.

„Zu wem sollten wir gehen? DU hast Worte des ewigen Lebens!“

Das gilt es, zu den Menschen bringen, die eben einsam und allein in den Trümmern einer vergehenden Welt stehen. Das heißt: Hoffnung und Leben bringen!

Ich wünsche mir und dem Leser, dass uns das immer besser gelingt.

Verfasst von Andrej Tielmann am 11. September 2021.

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